Auf Spurensuche im Gehirn.

Ohne festen Wohnsitz

Haben Sie schon mal darüber nachgedacht, wo die Kreativität in Ihrem Gehirn eigentlich sitzt? Sie ahnen es: "Ich glaube, sie ist schräg hinten links" verkürzt den Sachverhalt deutlich. Der Psychologieprofessor Arne Dietrich hat kürzlich in einem Artikel in der britischen Tageszeitung The Guardian diese Frage ausführlicher beleuchtet – als Teil der Serie "Use your head".

 

Zusammenfassend betrachtet hat die Forschung Kreativität im Grunde schon überall ausgemacht, vom präfrontalen Cortex über die rechte Gehirnhälfte bis zum Hippocampus. Aber es ist, wie immer im Leben, wohl deutlich komplizierter. Dietrich zeigt die Grenzen bildgebender Verfahren auf ("Jetzt seien Sie mal kreativ und wir gucken dann, wo es leuchtet") und entwickelt ein eigenes Verständnis von Kreativität: "This journey begins with the full understanding that creativity is a multifaceted ability composed of a whole plethora of cognitive processes and is, as a matter of consequence, distributed in the brain." Kreativität als komplexes psychologische Phänomen, ohne festen Wohnsitz.

 

An einer Stelle stellt Dietrich die Frage, die alle umtreibt – vom Forscher bis zum Laien: "How does a grapefruit-sized heap of meat crackling with electricity conceive of mathematical theorems, create beautiful art, discover the laws of nature, invent kitesurfing, and design buildings that look like sea shells?". Was für ein schöner Satz. Denn Kreativität behält trotz oder gerade wegen all der Forschung seine ungebrochene Faszination. 

 

Buchempfehlung:

Wer jetzt unbedingt mehr wissen möchte, der hat sicherlich seine Freude an Dietrichs neuestem, im Sommer 2015 erschienenen Buch "How Creativity Happens in the Brain". Ist allerdings kein Schnäppchen.